Dass die Landesenergieagentur Hessen (LEA) die festgefahrene Debatte um die Windkraft im Märkerwald moderieren soll, ist im Grundsatz ein überfälliger Schritt. Als Bürgerinitiative Energiewende Otzberg (EWO) begrüßen wir jedes Format, das Emotionen versachlicht, verlässliche Fakten liefert und Bürgerinnen wie Bürger transparent beteiligt. Exkursionen, nachvollziehbare Visualisierungen und neutrale Fachinformationen schaffen Vertrauen – genau das fordern wir seit Jahren.
Doch wie ernst ist es den Fraktionen mit diesem Dialog wirklich? Die jüngsten Ereignisse in der Gemeindevertretung sprechen Bände. Nachdem Frank Klock (CDU) und Christian Röwenstrunk (FDP) im Vorfeld bereits öffentlich die Neutralität der LEA infrage gestellt hatten, folgte nun der nächste Schachzug im Bremsmanöver: Auf Betreiben von Herrn Klock wurde der konkrete Vorschlag des Bürgermeisters zur Zusammensetzung des Forums schlichtweg wieder in den Ausschuss zurücküberwiesen. Das Ergebnis? Mindestens ein weiterer Monat Stillstand, bevor überhaupt das erste Treffen stattfinden kann.
Dieses Vorgehen folgt einem altbekannten Drehbuch: Zuerst werden Zweifel an staatlichen Fachagenturen gesät, anschließend werden formale Hürden aufgetürmt, um das Verfahren scheibchenweise zu vertagen. Wer schon bei der schlichten Besetzung einer Dialoggruppe auf Zeit spielt, sucht nicht nach Lösungen, sondern nach Ausreden. Bereits 2017 wurde die Chance vertan, Otzberg planvoll und mit kommunaler Steuerung auf den Weg der erneuerbaren Energien zu führen. Diesen Stillstand kann sich unsere Gemeinde nicht noch einmal leisten.
Ein Bürgerforum darf nicht zum bequemen Feigenblatt verkommen, um unliebsame Entscheidungen bis zur nächsten Kommunalwahl auszusitzen. Wir fordern die Gemeindevertretung auf, das Taktieren zu beenden und den Weg für den LEA-Prozess unverzüglich freizumachen. Otzberg braucht verlässliche Zeitschienen, offene Bürgerbeteiligung und vor allem ein zukunftsgerichtetes Konzept, um Wertschöpfung, Pachteinnahmen und Mitbestimmung im Ort zu sichern.